Wer Schwule und Lesben kennt, wird homofreundlicher

Allein durch flüchtige Bekanntschaft mit einem offen Homosexuellen können Vorurteile abgebaut werden, heißt es in einer US-Studie. Daher seien Coming-outs für ein Klima der Akzeptanz sehr wichtig.

Bekanntschaften und Freundschaften mit Schwulen und Lesben knnen Vorurteile gegen sexuelle Minderheiten reduzieren. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Soziologieprofessors Daniel DellaPosta von der Pennsylvania State University. Im Artikel "Gay Acquaintanceship and Attitudes toward Homosexuality" verglich DellaPosta Daten der General Social Survey (GSS), einer alle zwei Jahre durchgefhrten reprsentativen Umfrage der University of Chicago zu einer Reihe aktueller Themen.

DellaPosta sah sich dabei die Daten von 2006 und 2010 zum Thema "Gay Marriage" an zu diesem Zeitpunkt war die Ehe fr Schwule und Lesben in groen Teilen der USA noch verboten. 2006 hatten laut GSS 45 Prozent der Personen, die mindestens einen schwulen oder lesbischen Bekannten hatten, die Ehe-ffnung untersttzt. Dieser Wert stieg 2010 auf 61 Prozent an.

Dagegen waren 2006 nur 22 Prozent der Menschen, die keinen offen schwulen oder keine offen lesbische Person kannten, fr die Ehe fr alle. Dieser Wert ging 2010 sogar auf 18 Prozent zurck allerdings gibt es jedes Jahr weniger Menschen, die keinen Homosexuellen kennen. Diese Zahl ist im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends auf unter 50 Prozent gerutscht.

Laut DellaPosta war die Ablehnung der Ehe fr alle 2006 besonders stark unter "alten, politisch konservativen" Heterosexuellen verbreitet. In dieser Gruppe habe die Bekanntschaft mit einem Schwulen oder einer Lesbe aber den grten Eindruck hinterlassen und damit auch die grte Vernderung in den Ansichten zur Ehe-ffnung.

Die Werte zeigten laut DellaPosta, dass Coming-outs von Schwulen und Lesben direkt die Akzeptanz von Homosexualitt beeinflussten. Er verwies darauf, dass im Jahr 1973 nur elf Prozent der Amerikaner sagten, dass Homosexualitt in keinem Fall falsch sei bis 2016 stieg der Wert auf 52 Prozent.

Plausch auf der Strae istausreichend

Der Kontakt msse dabei nicht unbedingt besonders tiefgehend sein, um eine Vernderung herbeizufhren. "Wenn man sehr oberflchlichen Kontakt hat, zum Beispiel wenn man jemanden aus dieser Gruppe im Supermarkt oder der U-Bahn sieht, knnten Vorurteile zwar noch verstrkt werden beispielsweise der Blick auf die Kleidung, die Art zu sprechen oder das Verhalten kann Vorurteile besttigen", so DellaPosta. "Aber wenn man die nchste Ebene der Bekanntschaft erreicht etwa den Namen einer Person kennt und auf der Strae einen kurzen Plausch hlt hat dieser Kontakt eher den Effekt, dass man seine eigenen Vorurteile hinterfragt."

Der beschriebene Effekt wird als Kontakttheorie bezeichnet. Diese besagt, dass der Kontakt zwischen unterschiedlichen Gruppen generell Feindseligkeiten, Vorurteile und Diskriminierung reduziert. Mit dieser Theorie werden auch andere Phnomene erklrt beispielsweise, warum Auslnderfeindlichkeit in Regionen besonders hoch ist, in denen kaum Auslnder wohnen, etwa in Ostdeutschland.

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